Leitfaden: Umgang mit Diabetes Typ 2, pAVK und KHK
Dieses Wiki fasst wichtige Informationen für den Alltag mit den Diagnosen Diabetes Typ 2, pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit, Oberschenkeltyp, Stadium IIa) und KHK (Koronare Herzkrankheit) zusammen.
Blutzuckermessung im Tagesverlauf
Wann und wie oft der Blutzucker gemessen werden sollte, hängt von der jeweiligen Therapie ab (z.B. ob Insulin gespritzt wird). Typische Messzeitpunkte sind:
- Nüchtern: Morgens vor dem Frühstück.
- Vor den Mahlzeiten: Um die Insulindosis oder Nahrungsmenge anzupassen und den Ausgangswert zu kennen.
- Nach den Mahlzeiten: Ca. 1,5 bis 2 Stunden nach dem Essen, um die Reaktion auf das Essen zu prüfen (Zielwert meist unter 140 mg/dl bzw. 7,8 mmol/l).
- Vor dem Schlafengehen: Um nächtlichen Unterzuckerungen vorzubeugen.
- Bei Beschwerden: Sobald man sich zittrig, unwohl oder hungrig (Heißhunger) fühlt, sowie vor dem Autofahren oder Sport.
So wird richtig gemessen:
- Hände mit warmem Wasser waschen und gut abtrocknen (keine Seifenreste am Finger).
- Seitlich in die Fingerkuppe stechen (z.B. Mittel-, Ring- oder kleiner Finger), da dies weniger schmerzhaft ist und besser durchblutet wird. Nicht zu stark quetschen
- Lanzette nach jedem Gebrauch wechseln, um Infektionen und Schmerzen (durch stumpfe Nadeln) zu vermeiden.
Unterzuckerung (Hypoglykämie) erkennen und behandeln
Ein Unterzucker liegt meist vor, wenn der Blutzucker unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) fällt. Dies kann gefährlich werden (bis hin zur Bewusstlosigkeit) und muss sofort behandelt werden.
Warnsignale des Körpers: Heißhunger
Heißhunger ist ein klassisches und wichtiges Warnsignal des Körpers für eine Unterzuckerung
Weitere Symptome sind:
- Zittern, innere Unruhe und Schwächegefühl
- Herzrasen / starkes Herzklopfen
- Schweißausbrüche (kalter Schweiß)
- Blässe
- Konzentrationsstörungen oder Verwirrtheit
Was tun bei diesen Anzeichen?
Sofort den Blutzucker messen
Ist der Wert zu niedrig (unter 70 mg/dl) oder geht schnell abwärts, muss umgehend gehandelt werden.
Erste Hilfe bei Unterzucker: Was essen und trinken?
Bei akutem Unterzucker werden schnell wirkende Kohlenhydrate benötigt, die sofort ins Blut übergehen:
- Empfohlen (schnelle Hilfe): Am besten Apfelsaft (1/2 bis 1 Glas) oder 2-4 Plättchen Traubenzucker (bzw. Flüssig-Traubenzucker/Gel). Apfelsaft geht sehr schnell ins Blut und ist die bevorzugte, natürliche Wahl. Zuckerhaltige Brause/Limonade ist nicht ideal und sollte eher gemieden werden; Apfelsaft oder Traubenzucker sind bei Unterzuckerung die sicherere und bessere Lösung.
- Nicht geeignet bei akutem Unterzucker (z.B. Pistazien, Nüsse, Schokolade): Nüsse oder Pistazien helfen bei einer akuten Unterzuckerung nicht schnell genug
Das in ihnen enthaltene Fett verzögert die Aufnahme der Kohlenhydrate ins Blut stark.
- Nachsorge: Nachdem der schnelle Zucker (z.B. Saft) den Wert aus dem gefährlichen Bereich gehoben hat, sollte man eine kleine, langsam wirkende Mahlzeit essen (z.B. ein Stück Vollkornbrot oder nun auch eine kleine Handvoll Nüsse/Pistazien), um den Blutzucker langfristig stabil zu halten.
Nächtlicher Heißhunger (z.B. 2 - 3 Uhr nachts)
Wer nachts zwischen 2 und 3 Uhr mit starkem Heißhunger aufwacht, hat sehr wahrscheinlich eine nächtliche Unterzuckerung. Dies ist ein starkes Alarmzeichen.
- Oft geht dies einher mit starkem Schwitzen (feuchter Schlafanzug), unruhigem Schlaf, Albträumen oder morgendlichen Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.
- Maßnahme im Akutfall: Auch nachts sofort das Licht anmachen, den Blutzucker messen
Bei einem tiefen Wert wie beschrieben schnelle Kohlenhydrate (Saft, Traubenzucker) zu sich nehmen.
- Arztbesuch dringend empfohlen: Häufige nächtliche Unterzuckerungen sind gefährlich. Die Ursache (z.B. zu viel Insulin am Abend, späte körperliche Anstrengung) muss unbedingt zeitnah mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, um die Therapie anzupassen.
Verbotene und ungeeignete Getränke
Gerade bei der Kombination von Diabetes Typ 2, KHK (Herzkranzgefäße) und pAVK (Durchblutungsstörungen in den Beinen) ist es extrem wichtig, Herz und Gefäße nicht zusätzlich durch Zucker, starke Blutzuckerschwankungen und Übergewicht zu belasten.
Folgende Getränke sollten absolut gemieden ("verboten") werden:
- Zuckerhaltige Limonaden und Softdrinks: (Normale Cola, Fanta, Sprite, Eistee etc.). Sie lassen den Blutzucker rasant ansteigen, fördern Übergewicht und schädigen die Gefäße weiter.
- Energy-Drinks: Diese enthalten extrem große Mengen an Zucker. Zudem belasten das viele Koffein und andere Inhaltsstoffe das Herz-Kreislauf-System, was bei KHK und Herzerkrankungen sehr gefährlich sein kann.
- Purbelassene Fruchtsäfte in Mengen: Auch "gesunde" Säfte enthalten enorm viel Fruchtzucker und treiben den Blutzucker hoch. (Einzige Ausnahme: Als kleines Glas zur Akutbehandlung bei Unterzuckerung
).
- Süße alkoholische Getränke / Alkohol in großen Mengen: Alkohol blockiert die Zuckerfreisetzung in der Leber und kann (besonders bei Einnahme von Diabetes-Medikamenten/Insulin) zu schweren, zeitlich verzögerten Unterzuckerungen führen. Er belastet das Herz-Kreislauf-System erheblich.
Empfohlene Alternativen:
- Wasser (still oder mit Kohlensäure) als Hauptgetränk
- Ungesüßte Kräuter-, Früchte- oder Schwarztees
- Wasser, das mit einem Spritzer Zitrone, frischer Minze, Ingwer oder Gurkenscheiben natürlichen Geschmack bekommt.